Glaubwürdigkeit (inspiriert von der Ausstellung „Farbe bekennen“ des MARTa Herford)

(Museumsuferfest Radio X Poetry Slam, 24.08.2013, 4. oder 5. Platz, weil ich wegen dem Regen die Punktevergabe nicht richtig hören konnte)

(Edit: Soundgarden Slam, 09.09.2013, Finalteilnahme. )

 

Wer ist glaubwürdig?
Personen im Rampenlicht?
Irgendjemand, öffentlich? – nein!
Alle lügen, bescheißen und betrügen.
Willst Du beliebt sein, solltest Du das Lügen üben.

Meiner bescheidenen, nein – meiner unbescheidenen Meinung nach sind Personen von öffentlichem Interesse alle unglaubwürdig bis das Gegenteil bewiesen wird.
Belege benötigt? Sehen wir sie uns doch mal gemeinsam an. Wer steht denn zum Beispiel im Rampenlicht? Schauspieler. Keine Frage, die werden dafür bezahlt, sich zu verstellen. Und sonst? Hmmjaa…Rapper:
„Ich bin der krasseste Gangsta auf dieser Erde,
scheiß auf Eure Normen und auf Eure Werte,
ich nehm dein Haushund von hinten, die kleine Bitch,
mit Kondomen von Abercrombie & Fitch,
La Famiglia Siciliana, die Mafia des Rap,
du kleiner Pisser zitterst schon in deinem Versteck,
mit der Lupara im Anschlag öffne ich dein Verdeck
und blas‘ dir Motherfucker den Schädel weg.“
HA! Schreien jetzt die, die mich kennen, weil sie mich beim Lügen ertappt haben; meine Familie kommt nämlich aus der Toskana, nicht aus Sizilien. Aber ganz allgemein gesagt, Rapper prahlen und lügen, was das Zeug hält, wobei das von ihnen ja noch mehr oder weniger erwartet wird. Aber es gibt ja noch mehr. Die singenden Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel:
„I will always loooove youuuu!“ – Danke, Nächster!
Die Presse, auch eine ganz üble Spezies:
„Wie wir aus Polizeikreisen erfuhren, war der Amokläufer Autist!...und Buddhist!...und Philatelist!...und Journalist!...ach, Mist.“
Hmm, Manager?
„Durch die gestiegenen Rohstoffpreise am Weltmarkt sind wir leider gezwungen, unsere Fahrkartenpreise zu erhöhen.“ – Danke, Nächster!
Okay, andere Manager? Vielleicht die von Sportvereinen?
„Die Gerüchte, wir würden uns bereits über einen neuen Trainer beraten, sind völlig aus der Luft gegriffen!“ – Danke, Nächster!
Sportler:
„Ich habe niemals gedopt.“ – Danke, Nächster!
Politiker:
„Meine Doktorarbeit ist kein Plagiat!“ „Die Renten sind sicher.“ „Wir werden die Vorfälle lückenlos aufklären.“ „Die Daten sind sicher.“ „Davon hatte ich zu jenem Zeitpunkt keinen Kenntnisstand.“ – Danke, Nächster! – „Wir würden niemals mit dieser Partei koalieren, nur um in die Regierung zu kommen.“ – ICH SAGTE, NÄCHSTER! – „Mein Rückzug hat rein gesundheitliche Gründe…“
Moderatoren:
„Guten Abend, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer.“ – Danke, Nächster!
Werbeagenten…
„…“ – Danke, Nächster!
Es dürften nicht mehr viele unbeschädigte, nunja, Personen von öffentlichem Interesse übrig sein, außer Mutter Teresa vielleicht. Für alle, die ich jetzt nicht gesondert erwähnt habe, oder, die sich für makellose Idole und Vorbilder halten, möge man nach beliebigem Zufallsprinzip zum Beispiel folgende Aussagen verteilen: „Gut, und dir? Ich weiß, wann ich aufhören muss, zu trinken. Ich war nie Mitglied der NSDAP. Ich habe dich nie angelogen, Schatz. Nein, Mama, ich hab nicht geraucht. Vielen Dank für die Krawatte, rosa hat mir noch im Schrank gefehlt. Der macht nichts, der will nur spielen. Hier ist meine vollständige Steuererklärung.…“
Jetzt denken sich sicher schon die ersten, diese Falschaussagen werden doch nicht nur von Prominenten getätigt, sondern auch von gewöhnlichen Personen. STIMMT! Denn glaubwürdig ist überhaupt niemand, alle lügen, jeden Tag! Für die, die nicht sprechen können, haben wir immer noch falsches Lächeln, falsche Brüste etc. im Angebot. Ich weiß nicht, welche Anzahl an täglichen Lügen pro Person die aktuell wieder von Mund zu Mund und Facebook-Pinnwand zu Pinnwand weitergereichte Statistik behauptet, aber es ist mir auch egal, da die Zahl vermutlich auch nur von irgendeine/-m Dummschwätzer/-in, der/die sich wichtigmachen wollte, erfunden wurde. Vom Grunde her aber stimmt’s. Jeden Tag Lügen, und ich glaub‘ keinem mehr außer Säuglingen und Tieren. Bei meinem letzten Slam in Frankfurt hab‘ ich nicht einmal mehr den Moderatoren geglaubt, dass ich wirklich schon 7 Minuten geredet hatte. Wenn ich „ehrlich“ bin, glaube ich nicht einmal
mir selbst in meinen Selbstgesprächen.
Damit bin ich raus, mach‘ Platz fürn Nächsten,
oh, keiner mehr übrig? Alle abserviert.
Ja, guckt mal nicht so irritiert!
Ihr habt mich schon verstanden,
selig die, die EIN Stück Wahrheit fanden,
und das Wesen der Welt zur Gänze erkannten,
denn auch die ist nicht echter als rosa Elefanten,
wie das Gedicht hier, in dem ich gar nicht reime,
sondern größtenteils nur Prosa schreibe.
Die beiden Sätze hab ich mir zurechtgebogen –
Paradox ist: Jeder meiner Sätze ist gelogen!
Was soll man also machen? Ihr fragt mich? Joa…versucht’s halt einfach. Versucht, wenigstens ein bisschen ehrlicher zu sein.
Und fallt nicht rein auf falschen Schein,
lasst euch nicht bescheißen,
guckt nicht aus Versehen rein in Fingerkreise,
und schon gar nicht in Rauten aus zwei Händen,
das böse Erwachen kommt noch…Matrix beenden.

26.8.13 12:22

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