und welcher von denen bin ich nun?

Die große Umfrage

 

Werte Damen, werte Herren, liebe Kinder, sehr geehrte Tiere, liebe Außerirdische –

*Beifall*

alle Angesprochenen, ich möchte Ihnen nacheinander DIE Frage stellen, die unsere Zuschauer, Zuhörer, Leser, Lippenleser, Handleser und Kaffesatzleser heute – und nur heute – am meisten beschäftigt:

WAS bedeutet Kunst für Sie, und WARUM praktizieren Sie sie? – Denken Sie nicht lange über die Antwort nach, sprechen sie aus ihrem hohlen, eingefallenen, krank aussehenden, genauso wie aus ihrem ölig glänzenden, speckfaltigen, behaarten Bauch heraus – der wird es schon besser wissen als Ihr Hirn. Kleiner Scherz am Rande, haha. Also bitte…

 

 

Guten Morgen, mein Name ist Joachim Gorsch,

mein großes Vorbild sind Piano-Joe, Melody Mandy und der Hackbrett-Schorsch,

ich spiele meine Klampfe im Bürgerhaus bei Bier und Worscht,

wenn die Bürjer Lust uff Mussik ham, lösch isch ihrn Dorscht.

 

Ich bin Handwerker, kein Künstler, ich sag Ihnen das.

Wenn der Chef kommt mit einem Auftrag, dann mache ich das.

Ich bin kreativ nur für Geld, trotzdem für manche ein Held,

denen meine Arbeit nun mal besonders gefällt!

Manche sprechen ihr die Seele ab, ich verbitte mir das!

Es muss auch Auftragsarbeiter geben, so sehe ich das!

Wer soll denn besser wissen, was dem Menschen gefällt,

als der Mensch, der es mir mitteilt, und zwar selbst?

 

Motherfucker, du hast keine Ahnung, wo ich herkomm,

de darkest place of de whole ghetto, dat‘s where I’m from,

ich verarbeite alles in dieser verdammten Musik,

den Schmerz, die Gewalt, die Drogen, den Krieg,

Bruder, einen wie mich kannst du aus dem Ghetto rausholen, aber das Ghetto nicht aus mir, also fick dich, wenn du ein Scheißproblem mit meiner Art hast, ich bin nicht so geboren worden, sondern die Scheißgesellschaft hat mich dazu gemacht, also fickt eure Medien, fickt eure parfümierten Schokoriegel,

wie viele von euch, waren schon mal hinter Schloss und Riegel?

Mein Vater sitzt, seit ich vier war, im Knast,

denn er hat nem Scheißbullen im Affekt ne Klinge verpasst!

 

Ich liebe die tobende Menge, die kochende Arena,

wenn das Stadion zum Hexenkessel wird, dafür bin ich da,

ja, dafür lebe ich, hol das letzte aus mir raus,

schrei die letzten Lyrics, hau die letzten Riffs hinaus

in den Nachthimmel und mit der Nacht klingt mein Konzert aus…

für die Liebe des Publikums, und aus Liebe zum Publikum…peace.

 

Mein Herr, diese Kunst, wie Ihr sie nennt, die mach ich nicht für mich.

Mein Zweck ist ein höherer, was ich tue, widme ich dem Herrn,

meinem Gott, um Ihn zu lobpreisen,

denn nicht mein Talent, sondern Seine Gnade erschafft die Kunstwerke,

und ich bin Sein Werkzeug. In aller Ewigkeit,

Amen.

 

Ja…spürst du das Verlangen, kleiner Mann?

Ich spiel mit euch allen, wie eine Klapperschlange,

eure hypnotisierten Blicke, eure lechzenden Zungen,

das Geld, das ihr wegschmeißt, dazu hab ich euch gezwungen,

mit meinem hypnotischen Tanz, überirdischer Glanz,

ihr begehrt mich, dadurch beherrsche ich euch, und bald hab ich euch ganz…

 

Wenn die alle wüssten, wenn die es nur ahnten,

die beste Tarnung ist die Wahrheit, aber pst! Niemandem verraten…

Sie denken, ich mach‘ ihnen den Psycho, ihres Vergnügens wegen,

dabei tue ich es, um mit klarem Kopf zu leben…

Verstelle mich…nicht, und darin werd ich auch immer besser,

aber wird mir einer zu verdächtig, zieh‘ ich ganz schnell mein…e Sonnenbrille auf. Haha, was dachten Sie denn? Nur nicht so schreckhaft, mein Freund.

 

Ich sehe tausend Reporter mit zehntausend Mikrophonen, soll ich es mit f aussprechen, würde sich das lohnen, mein Gott! – ich entschwebe in das All, mit achtzig U/min Drall, und seh‘ den Urknall, vor dem Fall! Die weiße Linie durchzieht mein Hirn und wird zum Zebrastreifen, oh Gott, ich muss ausweichen, da kommt er, DER ZUG! Und er kommt…zum Stehen, denn ich brauche den Zu…stand, um das EpizentrummeinerNervenaktivitätzuHöchstleistungenanzuspornenabermanchmalkommichdabeieinweniginsschleudernundfliegfürsersteausderzweitenKURVERECHTS, AAAAARRRRRGGGGHHHHHH!!!!!!!

 

Ja, Mann, ich bin der Größte, weil ich einfach der Beste bin,

ja, schon klar, nicht jeder kriegt das hin, aber ich bin

halt einzigartig, ein böser Junge, gar nicht artig,

steh nicht über ein bisschen Klau und Plagiaten,

pfeif auf jede Message, ich hab Fans, Karriere, Kohle,

keiner kann was entgegnen, wenn ich was will und es mir hole.

(Und ich sage – )

ich will dekadent sein, Geld verprassen, meinen Status zeigen,

und sechszehnjährigen Fangirls auf den Brüsten unterschreiben!

Und wenn ich dann wieder Groupies seh, greif ich zu als wüchsen die in meinem Garten,

scheiß auf jeden Anstand, ich kann es kaum erwarten!

Also bis zum nächsten Auftritt, hier nimm ein Autogramm mit,

kannste deiner Tochter schenken, ist kostenlos. Hahahahah!

Ich guck mich derweil backstage um, nach meinem nächsten Ritt!

 

Diese Bilder muss ich malen, um mich auszudrücken,

was ich mit Worten nicht vermag, wenn die Sprache versagt,

dann greife ich zu Pinsel, Bleistift, Feder, Kreide, Handschuhen, Airbrush,

die Tinte, Tusche, Ölfarben, Graphitstriche, Farbspritzer, alles fließt zusammen,

zu einem großen Ganzen,

und stellt meine Gedanken dar, wie es verbal nicht möglich war,

denn ein Bild sagt mehr als tausend Worte.

 

Nur auf den Brettern, die die Welt bedeuten,

fühle ich mich zuhause, ihr ahnt nicht, was sie mir bedeuten!

Keine Herausforderung ist mir zu groß, die Rollen zieh ich an wie Schuhe,

und werde aufgeregt, boshaft, witzig, besorgt, betrunken, fanatisch oder die Ruhe

in Person; gebt mir ein gutes Stück und ich spiel darin den dümmsten Bauer,

aber kommt ihr mit billiger Unterhaltung für Dumme, werf ich das Papier ins Feuer!

 

Keine Zeit, viel zu reden, ich muss trainieren. Jeden Tag fordere ich mich selbst heraus, noch besser zu werden, als ich oder jemand anderes jemals war, und dabei will ich nicht einmal in die Geschichte eingehen, sondern nur mir selbst beweisen, dass ich’s könnte.

 

Ja, ha, die Reime, was soll ich dazu sagen,

Kumpel, ich hau sie raus, wie miese Typen Leuten in den Magen,

aus purem Spaß an der Freude und Lust an der Laune,

was ich so sag‘, nimmt man besser nicht so genau, ne?

Hey, irgendein Hobby muss der Mensch ja haben,

meins ist eben, zu reimen, ohne zu versagen,

mit der Zeit werden die Styles dann auch relativ erhaben,

von einem zunehmend lockeren Flow getragen,

Wann ich damit aufhöre? Na das sollte doch hinreichend klar sein. Nie!

Und wenn ich mich selbst noch mehr beweihräuchern will, sag ich Dinge wie:

Ich besetze drei Plätze, nicht nur in der S-Bahn, sondern auch auf der Siegertreppe,

weil ich euch nie neppe, höchstens mit nem wohlgezielten Reim erschrecke,

und sowas wie schriftlich rappe, und damit hör ich wohl nicht mehr auf, bis ich verrecke,

kaputt und weggeworfen liege in der Ecke,

aber das kann noch dauern, von mir aus passiert es nie,

merkt euch meinen Namen, denn ich bin Speedy G!

 

Meine Kunst erzählt Geschichten, manchmal auch Geschichte,

womit ich’s nicht so hab‘, sind die Gedichte,

zeichne Comics, als ultimative Verbindung

von Text und Zeichnung,

manchmal witzig, manchmal ernsthaft,

manchmal sollte es dramatisch sein, aber man hat trotzdem gelacht,

aber niemand ist perfekt, doch kann man danach streben,

und das hab ich vor, zu tun, solang ich noch lebe!

 

Ich bin politisch, ich mach kaputt, was mich kaputt macht!

Spucke Speichel, Blut, und meinen Rotz auf diese Staatsmacht!

Ich hasse Nazis, Politicos und ranzige Beamtensocken,

schrei ich, während wir das fucking Juz rocken.

Amico! Non l’hai capito? Loro sono TUTTI Michael Jackson, e tu starai sempre Tito!

O cosi fosse, se non ci saremmo noi, le forze rosse!

All’attacco, amici! – reißen wir die Paläste ein!

Fickt die Fürsten und bringt das System zum Schrei’n!

Fuck, Mann, ich scheiß‘ auf diesen Staat und alles politische Gehabe,

ich scheiß‘ auf die oberen Zehntausend und Politikergelaber,

ich scheiß‘ auf Medienfratzen, und auf den schlauen Det,

ich scheiß‘ einfach auf auf alles…doch vor allem…auf das Bundeskabinett!

...nett…nett…nett

 

 

Ja, wirklich sehr nett. Ich freue mich, heute so viele unterschiedliche Antworte, von so vielen unterschiedlichen Menschen gehört haben zu dürfen. Ich denke, das wird mir einige Zeit zum Nachdenken geben. Oder besser würde, wenn nicht in fünf Minuten der Beitrag für unsere Sendung zusammengeschnitten sein müsste. Naja. Vielleicht kann ich ihn ja in meiner Privatvideothek in voller Länge behalten und bei Gelegenheit ein paar Freunden zeigen.

Ab.

25.6.11 12:43

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