Monolog wider das Vergessen

Ich saß vorhin so da und hab mich was gefragt,
denn meine Oma hatte einiges vom Krieg gesagt,
und ich dachte mir, Krieg ist kein schönes Thema,
aber wissen, was das wirklich ist, das sollte jeder.
Eben nicht einfach nur das, was uns das Fernsehen zeigt
sondern das, was eure Groß- und Urgroßeltern erlebten in jener Zeit.
Im größten Krieg, der je auf diesem Planeten wütete,
und nur das Schicksal eure Vorfahren behütete,
es muss so sein, sonst wärt ihr ja so nicht entstanden,
ein Todesfall und keine Nachfahren waren vorhanden.
Und ich dachte mir, Geschichten vom Krieg sind wahrlich nicht schön,
und doch sollten wir sie alle von den Zeitzeugen hören.
Seitdem gab es in Westeuropa keine Kriege, und darum bin ich froh,
doch es hat auch einen Nachteil, denn wir vergessen so,
wie er ist, der Krieg mit seinem hässlichen Gesicht,
man sieht ihn allenfalls noch als Zeitungsbericht,
oder in einer Doku bei ZDF und ARD,
aber ist es mehr als ein Film? wisst ihr: es tut weh?
redet mit den Zeitzeugen, lasst es euch von ihnen berichten
ihr könnt die Wichtigkeit dessen ja selber gewichten,
aber ich meine, das Problem wäre nicht zu ermessen,
wenn wir Anno 33 bis Anno 45 vergessen.
Lasst es euch sagen, solange diese Leute noch leben,
und denkt daran, es später selber weiterzugeben.
Wenn diese Generation erst einmal ausstirbt,
ist es euch klar, was für ein Sch*** das dann wird?
Die Nazis, Williamsons und Ahmadinedschads werden freudig aufstehen,
sagen, sie hätten die Lügen schon immer gesehen,
einen Holocaust hätte es nie im Leben gegeben,
und die Männer starben nicht im Krieg, sondern durch Erdbeben,
Filme sind Fälschungen, und Bilder sowieso,
und ich fürchte, ihre Propaganda schlägt die Vernunft k.o.,
bei Leuten, die nicht einmal mit Zeitzeugen geredet haben,
ja, ich meine die Kinder, die wir dann geboren haben!
Ich will nicht später "nach dem Rechten sehen",
also sorg ich dafür, dass meine Kinder die Geschichte verstehen,
und dazu lasse ich mir den Irrsinn erzählen,
meine Oma war damals 6 Jahre alt, sie konnte nicht wählen,
sie wurden in der Schule von Nazi-Lehrern drangsaliert und gezwungen,
und morgens auf dem Schulhof wurde "Die Fahne hoch" gesungen,
dagegen wurde bald schon jede Nacht
im nahegelegenen Luftschutzkeller verbracht.
Könnt ihr es euch vorstellen, wie Berlin brannte?
Wie Häuser explodierten, und man verzweifelt vor Bomben in Deckung rannte?
Wie die Stadt Dresden dem Erdboden gleichgemacht
wurde, in einem englischen Vergeltungsakt?
Wie Hamburg im "Feuersturm" versank?
Wie unser Land im Blut von Millionen ertrank?
Fünfzig Millionen Tote zählte die Welt insgesamt,
Dreißig durch den Krieg an sich, und zwanzig durch Nazihand,
durch die Hände von Mördern, Irren und Soziopathen,
die sich unter dem Hakenkreuzbanner zusammen scharten.
Und ich weiß, in der 10. Klasse kaut man es durch bis keiner mehr kann,
aber dennoch - oder gerade - lasst es euch sagen! Wer weiß, wie lang
ihr noch eure Großeltern habt. Lasst, was geschah, nicht in Vergessenheit geraten,
dann müssen wir auch niemals eine zweite Reichstagswahl '33 erwarten...

Postscriptum: Ich weiß nicht, ob die Millionenzahlen genau stimmen, und kann's jetzt auch nicht nachschauen, weil weder ein Lexikon in diesem Haus ist, noch eine aktive Internetverbindung, aber das ist ja auch egal, es geht um's Prinzip. Manche Dinge dürfen einfach nicht vergessen werden, sonst werden wir eines Tages den Satz "Wer aus der Geschichte nichts lernt, ist gezwungen, sie zu wiederholen." eingebläut kommen, dass uns die Ohren schlackern und wir uns wünschen, nie geboren worden zu sein...mit diesen Worten (in Prosa) verabschiede ich mich, beim nächsten Mal werdet ihr hier wieder meine gewohnten Egotrips vorfinden.

14.2.09 11:24

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