Selbstgespräch des Dichters

Immer wenn ich ein neues Gedicht schreibe, streite ich erneut mit mir selbst: Moderne Sprache oder klassische? Transkribiert könnte das so aussehen:

 

 
Eins zwo, eins zwo, Mikrophon Check
hier kommt Speedy um das Eck,
die weiße Weste sieht aus wie geleckt,
denn die Leichen im Keller sind gut versteckt.
Ganz ohne Talentscout hab ich mich selbst entdeckt,
in der Wetterauer Provinz die Lage gecheckt.
Bin bei meinem ersten Auftritt nur leicht angeeckt,
ich hatte mich nur mit meinem Notizblock bedeckt.
 
Werter Herr, die Sprache, derer Ihr Euch befleißigt,
Haltet Ihr für modern, doch wird sie zeitlich
Nicht von Bestand sein. In hundert Jahren
Lesen Eure Nachfahren verwirrt Eure Memoiren.
 
Ich bekomm nicht mit, wer mich in hundert Jahren noch liest,
mir ist wichtiger, dass es jetzt gerade jemand genießt.
Die Leute fürchten meinen Namen,
wie Betriebsstörung beim Bahn fahren,
ich bin Luca Del Nero, das ß steht für „Gefahr“.
Ich komme aus Bäääd Nauheim, a.k.a. Hessens Westberlin,
deshalb war ich mein Leben lang schon clean,
ich bin so unglaublich maskulin
wie du nicht mal auf Somatropin.
Also runter von der Bühne, Loser,
dich will nicht mal das letzte Luder,
doch für mich machen täglich so viel Fraun die Beine breit
wie sonst nur für Klaus Wowerweit!
 
Du drischst derlei abgeschmackte Phrasen,
Doch gingen wir alle mal durch solche Phasen.
Nun solltest Du irgendwann die Reife erlangen,
Mit dem Verfassen wahrer Poesie anzufangen.
Exaltiert und von den Musen geführt,
Welche zu allen Zeiten die Menschen berührt.
Und nicht verzweifelt buhlend um Aufmerksamkeit
Der lebenden Genossen der eigenen Zeit.
Im Gedächtnis, was kein guter Dichter jemals vergaß:
Zu echter Lyrik gehört auch allzeit ein Versmaß.
 
Ich schreib wie ich sprech, und man identifiziert sich damit,
heute wollen die Leute halt mit auf ein wilden Ritt!
.Selbstironie, Wortspiele, darin bin ich ein Tier,
ich bin Dichter – als du, wenn ich nach dem ersten Colabier kollabier;
aber überzieh dich lyrisch mit Krieg trotz Mahnungen
der UNO, und forder noch Rap-arationszahlungen.
Mezzo tedesco e mezzo italiano,
und all meine Mafiosi bouncen als wär ich Al Bano!
Mehrsprachig wie Haftbefehl – kann ich auch,
und Mehrfachreime hab ich schon lang in Gebrauch: Ich bin nicht nur Dichter und Denker, sondern auch ein schlichter, gelenker Richter und Henker erpichter Verrenker, und wenn ich reimen will, dann tu‘ ich das, wie’s mir passt...Spast.
 
Ich verbitt‘ es mir, jetzt so anzufangen,
An dir ist wohl ein „Rebell“ verlorengegangen.
Ein Tag ohne guten Reim ist ein verlor’ner Tag,
Und weil ich einen solchen Tag grundsätzlich nicht mag,
Und mich lyrisch glücklicherweise nicht plag‘,
Antworte ich eloquent und adäquat, und sag‘:
Dichterisch' Werk zu verrichten und mit Mitmenschen Geschichten mittels lichten Gedichten und mitnichten mit schlichten Berichten zu sichten – gerne ohne Pflichten sitzend unter dichten Fichten – kann Frust vernichten, Freud' verdichten, und des Tages Dickicht lichten!
Nähmest Du Dir doch zum Schreiben nur die nötige Zeit
sprächst Du von deinen Themen in schönster Sprache der Menschheit.
 
Wie man so sagt, Zeit ist Geld, und Geld hab ich keins,
du gehörst nicht in die erste Liga, wie die NullFünfer aus Mainz,
wenn du meinst, dass Schönheit in einem Wettbewerb
noch mehr als Witz und Unterhaltung zählt.
Will ich dann noch ein ernstes Thema machen
konkurriern mir jetzt schon diese Vier Sachen.
 
Daraus kann etwas werden, wir sind nun dabei,
Die Wege zu erkunden, es sind derer Drei
Wir führen abwechselnd diesen Aspekts unseres Seins,
Denn am Ende sind wir Zwei doch nur Eins.

6.5.15 23:55

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