So lange nichts mehr...jetzt wenigstens ein Limerick.

Eine junge Dame aus Hessen
hungerte lieber anstatt zu essen.
Doch als sie dann hinaus stolzierte
und die Wespentaille präsentierte,
wurd sie von einer Spinne gefressen.

24.6.14 17:34, kommentieren

Übersättigung

Eigentlich wollte ich einen großartigen Text voller opulenter Wortspiele zum Thema Esskultur und Nahrungsmittel verfassen, nachdem mir auf dem Weg zu meinen carnivoren, hotdogversessenen Freunden aufgefallen war, dass man das Wort "Wurst" auch auf die weitaus poetischere Art "in Darm gepresste Kadaverreste" ausdrücken könnte - und ich das unbedingt in einem Text verwursten wollte.
Doch noch bevor ich die vollmundige Ankündigung machen konnte, dem Publikum einen Ohrenschmaus aufzutischen, meldete sich der nagende Zweifel, ob meine literarisch-kulinarischen Fähigkeiten überhaupt ihren Geschmack treffen und ein magenfüllendes Programm bieten würden. Die Mehrzahl der Wortspiele über Essen sind doch ausgelutscht wie ein Knochen ohne Mark und wurden von bereits fade gewordenen Komödianten bis zum Erbrechen durchgekaut. Komödianten, die ich als Zuschauer ob ihres Quatsches mit Soße wahrscheinlichter selbst mit einem Schuhbeck bewerfen oder gar von einem Küchenbullen vor Gericht zerren lafern würde.
Es ist auch kein Gedicht von einem Gericht, will sagen, es reimt sich nicht, und eignet sich also nicht einmal als Wrap. In diesem Falafel apfel-muß ich wok oder zwiebel diesen Quark sein lachsen, bevor jemand eine rote Rübe bekornt und eine gepfefferte Kritik schreibt, in der er diese Grütze in der Luft zerreis...t. So...Ja...Dem war nichts mehr hinzuzufügen, wie mir nach dem letzten All-you-can-eat-Büffet und daher verwarf ich diese Textidee. (Wobei es ja vielleicht schon halbwegs kurzweilig gewesen wäre. Aber...blöde Wortspiele hab ich einfach gefressen.)

Fußnote: Ich hatte auch noch über einen Witz über ungewürzten Tofu nachgedacht. Aber das war mir dann doch zu geschmacklos.

6.4.14 17:10, kommentieren

Exportschlager

Es ist Freitag Nachmittag, endlich Wochenende,
in einer deutschen Stadt verlässt ein Mann das Betriebsgelände,
er ist ein braver Familienvater, ehrlich und fleißig,
Frau, zwei Kinder, Hund, Ende Dreißig.
Er arbeitet am Fließband, war früher im Lager,
er baut hier deutsche Exportschlager.
Später am Tag, ein junger Ingenieur geht heim,
er macht die Firma reich mit seinem ausgefeilten Design,
zur Feier der Lohnerhöhung lädt er seine Freunde ein,
und ein paar leichte Mädchen, denn er schläft nicht gern allein.
Und wenn er dann auf einer liegt, sagt er:
„Weißt du, Baby, ich designe Exportschlager.“
Eine Vertriebsagentin geht so zwei Stunden nach ihm,
nachdem sie’s Geschäft perfekt machte mit Kunden aus Arabien.
sie mag die Typen zwar nicht, aber Geschäft ist Geschäft,
und ihr Gesicht so trainiert, ihr Lächeln wirkt echt.
Als sie heimkommt, öffnet ihr Freund, als erstes fragt er
„Wie sieht’s aus? Wird das Ding ein Exportschlager?“
Der Chef geht als Letzter an jenem Freitag,
er bleibt gern mal länger, weil er diesen Job einfach mag.
Der Finanzvorstand hat ihm heute versichert,
die Dividende für dieses Jahr ist gesichert!
Ihr ahnt es, bevor er sich hinlegt köpft er ein Lager,
und trinkt auf seinen neuen Exportschlager.

Und Charge für Charge geht hinaus in die Welt,
es ist ein Produkt, das Kunden weltweit gefällt.
In einer Stadt, von hier einige tausend Kilometer
bekommt jemand ein Modell von seinem Arbeitgeber.
Dieser mattschwarze Lack, diese ergonomische Form,
dieses elegante Design, Qualität nach deutscher Norm.
Früher gab’s die hier nicht, doch die Regierung
hat das Land geöffnet, ein Hoch auf Globalisierung.
Er und seine Kollegen gehen raus durch die Türen
um ihre neuen Spielzeuge spazieren zu führen.
Halb in die Stadt rein stockt der Verkehr,
und kommt zum Erliegen, kein Auto fährt mehr.
Die Straße blockiert durch eine Demonstration,
bestimmt organisiert von der Opposition.
Er erinnert sich, heute Morgen das Memo,
da hieß es, im Falle einer Demo,
gilt ab sofort null Toleranz,
in dem Moment sein Kommandant
gibt das Signal, er denkt nicht nach und legt an,
drüben sinkt eine junge Frau getroffen zusammen.
Man bringt sie und andere in ein Krankenhaus,
die Ärzte operieren ihr zwei Kugeln heraus,
doch vergebens. Ihre Eltern müssen erfahren:
Ihr Leben endete, nach nicht einmal zwanzig Jahren.
Heute Morgen hatte ihre Mutter gefleht:
„Bitte geh nicht mehr demonstrieren, lies, was hier steht.
Null Toleranz, sie werden schießen, bitte bleib hier.“
Sie sagte: „Mutter, ich muss, wer wenn nicht wir,
soll kämpfen für die Freiheit unseres Volkes?
Wenn wir es schaffen, ist die Gefahr der Preis des Erfolges.“
Jetzt liegt sie kalt auf den weißen Laken,
ihre Mutter gebrochen, keiner beantwortet die Fragen.
In den Armen hält sie der weinende Vater,
sie wurde erschossen mit einem deutschen Exportschlager.

Der Vorfall kommt hier in die Medien, sind ja so weltoffen,
und alle Entscheidungsträger tun ganz furchtbar betroffen.
Aber letztendlich haben wir damit ja nichts zu schaffen,
Deutschland hält sich raus, [crescendo] und verkauft weiter Waffen!
Mir kommt die freche Frage an Angestellte an Magnaten,
wie gut könnt ihr nachts eigentlich noch schlafen?
Das ist nicht euer Problem, nicht wahr?
Hauptsache Geld ist am Monatsersten da.
Und die Politik zieht fröhlich mit,
egal wer jeweils grad am Ruder sitzt.
Wie können die bloß ernst blicken, wenn sie ein Ende der Gewalt fordern,
und kurz drauf abnicken, wenn die Täter weiter Waffen ordern?!
Geld durch Export ist gleich deutsche Arbeitsplätze und Gehalt,
ist gleich deutsche Wählerstimmen ist gleich Machterhalt.
Das ist die chemische Formel für das goldene Kalb,
Wirtschaftswachstum! Der Rest interessiert nicht mal halb.
Geht’s dem DAX gut, geht’s uns gut, nach diesem Motto,
anscheinend reicht das für Normalverbraucher Otto.
Das Gedächtnis der Wähler,
vergisst leicht manchen Fehler,
solange Michel am Wahltag glaubt,
mit der Konjunktur geht es steil bergauf!
Dabei ist diese auch mit Blut erkauft,
nur nicht unsers, deshalb pfeift jeder drauf!
Weltweit wird scharf geschossen mit deutschem Fabrikat,
was macht eigentlich dieser Bundessicherheitsrat?!
Hinter verschlossnen Türen in ihrer geschlossnen Gesellschaft,
hocken sie und prostituieren sich für die Wirtschaft.
Eine Frage wollte ich da grad noch stellen:
Glauben die eigentlich selber, was sie erzählen?
Hier böser Diktator, da guter Diktator,
ein Verbrecher, aber ein verlässlicher Partner.
Ihr Heuchler, ihr wisst genau, was passiert.
Der hochwertige Tod hat alle Grenzen passiert.
Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf: „Homo homini lupus.“
Und einige von unserem Volk, assistieren weiter dem Exitus,
in Kameras winkend, wirken sie so ganz beflissen.
Das geht runter wie Erdöl, ohne Moral und Gewissen.
Dieser Text mag nichts ändern, vielleicht macht er wen aufmerksam,
und ich schließe ihn mit Worten von Paul Celan:
„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“

15.2.14 23:41, kommentieren

3xZM+ZM

Zwischenmenschliche Beziehungen I

 

Bist du zur Zeit nicht so gesprächig?
Von dir zu hören freut mich täglich.
Nur wenn du schweigst,
oder dich länger nicht zeigst,
dann werd ich manchmal tätlich.

 


 

Zwischenmenschliche Beziehungen II

Mein Chef vergiftet mir das Leben,
er hält mich für 'nen Mistkerl, ich weiß nicht weswegen.
Doch anstatt dazu was zu sagen,
schick ich ihm wüste Tiraden,
vom E-Mail-Konto eines Kollegen.

 

 

Zwischenmenschliche Beziehungen III

 

Mein Nachbar ist kaum zu ertragen,
und nutzt jede Gelegenheit, mich zu plagen.
Ich kling vielleicht bieder,
aber er stinkt mir schon wieder,
denn er liegt seit Montag im Kofferraum von mei(ne)m Wagen.

 

 

Zwischenmenschliche Beziehungen IV

 

Meine Freundin nimmt nie etwas schwer,
ärger ich sie auch noch so sehr.
Sie bleibt immer lieb,
zu mir Tagedieb,
denn sie ist imaginär.

 

14.11.13 22:52, kommentieren

Inspiriert während des Films "Filth" (deutscher Titel: "Drecksau"), leider in der Sneak Preview gese

Infantiler Humor nervt mich,
mein Gehirn wehrt sich,
bei der zehnten Zote
hab ich langsam rote
Punkte vor den Augen,
Filme wie der da saugen
auf Dauer die Gedanken ab,
nein, ich lehne dankend ab,
jetzt versucht er, intelligent zu sein,
geht das noch lang? Ich geh' gleich heim...

3.10.13 21:27, kommentieren

Eigentlich belasse ich ja immer nur die Platzierung beim ersten Einsatz eines Textes, aber...

...mit den letzten beiden habe ich jetzt den Soundgarden-Slam in Bad Nauheim gewonnen! Hurra!

1 Kommentar 9.9.13 16:49, kommentieren

Glaubwürdigkeit (inspiriert von der Ausstellung „Farbe bekennen“ des MARTa Herford)

(Museumsuferfest Radio X Poetry Slam, 24.08.2013, 4. oder 5. Platz, weil ich wegen dem Regen die Punktevergabe nicht richtig hören konnte)

(Edit: Soundgarden Slam, 09.09.2013, Finalteilnahme. )

 

Wer ist glaubwürdig?
Personen im Rampenlicht?
Irgendjemand, öffentlich? – nein!
Alle lügen, bescheißen und betrügen.
Willst Du beliebt sein, solltest Du das Lügen üben.

Meiner bescheidenen, nein – meiner unbescheidenen Meinung nach sind Personen von öffentlichem Interesse alle unglaubwürdig bis das Gegenteil bewiesen wird.
Belege benötigt? Sehen wir sie uns doch mal gemeinsam an. Wer steht denn zum Beispiel im Rampenlicht? Schauspieler. Keine Frage, die werden dafür bezahlt, sich zu verstellen. Und sonst? Hmmjaa…Rapper:
„Ich bin der krasseste Gangsta auf dieser Erde,
scheiß auf Eure Normen und auf Eure Werte,
ich nehm dein Haushund von hinten, die kleine Bitch,
mit Kondomen von Abercrombie & Fitch,
La Famiglia Siciliana, die Mafia des Rap,
du kleiner Pisser zitterst schon in deinem Versteck,
mit der Lupara im Anschlag öffne ich dein Verdeck
und blas‘ dir Motherfucker den Schädel weg.“
HA! Schreien jetzt die, die mich kennen, weil sie mich beim Lügen ertappt haben; meine Familie kommt nämlich aus der Toskana, nicht aus Sizilien. Aber ganz allgemein gesagt, Rapper prahlen und lügen, was das Zeug hält, wobei das von ihnen ja noch mehr oder weniger erwartet wird. Aber es gibt ja noch mehr. Die singenden Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel:
„I will always loooove youuuu!“ – Danke, Nächster!
Die Presse, auch eine ganz üble Spezies:
„Wie wir aus Polizeikreisen erfuhren, war der Amokläufer Autist!...und Buddhist!...und Philatelist!...und Journalist!...ach, Mist.“
Hmm, Manager?
„Durch die gestiegenen Rohstoffpreise am Weltmarkt sind wir leider gezwungen, unsere Fahrkartenpreise zu erhöhen.“ – Danke, Nächster!
Okay, andere Manager? Vielleicht die von Sportvereinen?
„Die Gerüchte, wir würden uns bereits über einen neuen Trainer beraten, sind völlig aus der Luft gegriffen!“ – Danke, Nächster!
Sportler:
„Ich habe niemals gedopt.“ – Danke, Nächster!
Politiker:
„Meine Doktorarbeit ist kein Plagiat!“ „Die Renten sind sicher.“ „Wir werden die Vorfälle lückenlos aufklären.“ „Die Daten sind sicher.“ „Davon hatte ich zu jenem Zeitpunkt keinen Kenntnisstand.“ – Danke, Nächster! – „Wir würden niemals mit dieser Partei koalieren, nur um in die Regierung zu kommen.“ – ICH SAGTE, NÄCHSTER! – „Mein Rückzug hat rein gesundheitliche Gründe…“
Moderatoren:
„Guten Abend, liebe Zuschauerinnen und Zuschauer.“ – Danke, Nächster!
Werbeagenten…
„…“ – Danke, Nächster!
Es dürften nicht mehr viele unbeschädigte, nunja, Personen von öffentlichem Interesse übrig sein, außer Mutter Teresa vielleicht. Für alle, die ich jetzt nicht gesondert erwähnt habe, oder, die sich für makellose Idole und Vorbilder halten, möge man nach beliebigem Zufallsprinzip zum Beispiel folgende Aussagen verteilen: „Gut, und dir? Ich weiß, wann ich aufhören muss, zu trinken. Ich war nie Mitglied der NSDAP. Ich habe dich nie angelogen, Schatz. Nein, Mama, ich hab nicht geraucht. Vielen Dank für die Krawatte, rosa hat mir noch im Schrank gefehlt. Der macht nichts, der will nur spielen. Hier ist meine vollständige Steuererklärung.…“
Jetzt denken sich sicher schon die ersten, diese Falschaussagen werden doch nicht nur von Prominenten getätigt, sondern auch von gewöhnlichen Personen. STIMMT! Denn glaubwürdig ist überhaupt niemand, alle lügen, jeden Tag! Für die, die nicht sprechen können, haben wir immer noch falsches Lächeln, falsche Brüste etc. im Angebot. Ich weiß nicht, welche Anzahl an täglichen Lügen pro Person die aktuell wieder von Mund zu Mund und Facebook-Pinnwand zu Pinnwand weitergereichte Statistik behauptet, aber es ist mir auch egal, da die Zahl vermutlich auch nur von irgendeine/-m Dummschwätzer/-in, der/die sich wichtigmachen wollte, erfunden wurde. Vom Grunde her aber stimmt’s. Jeden Tag Lügen, und ich glaub‘ keinem mehr außer Säuglingen und Tieren. Bei meinem letzten Slam in Frankfurt hab‘ ich nicht einmal mehr den Moderatoren geglaubt, dass ich wirklich schon 7 Minuten geredet hatte. Wenn ich „ehrlich“ bin, glaube ich nicht einmal
mir selbst in meinen Selbstgesprächen.
Damit bin ich raus, mach‘ Platz fürn Nächsten,
oh, keiner mehr übrig? Alle abserviert.
Ja, guckt mal nicht so irritiert!
Ihr habt mich schon verstanden,
selig die, die EIN Stück Wahrheit fanden,
und das Wesen der Welt zur Gänze erkannten,
denn auch die ist nicht echter als rosa Elefanten,
wie das Gedicht hier, in dem ich gar nicht reime,
sondern größtenteils nur Prosa schreibe.
Die beiden Sätze hab ich mir zurechtgebogen –
Paradox ist: Jeder meiner Sätze ist gelogen!
Was soll man also machen? Ihr fragt mich? Joa…versucht’s halt einfach. Versucht, wenigstens ein bisschen ehrlicher zu sein.
Und fallt nicht rein auf falschen Schein,
lasst euch nicht bescheißen,
guckt nicht aus Versehen rein in Fingerkreise,
und schon gar nicht in Rauten aus zwei Händen,
das böse Erwachen kommt noch…Matrix beenden.

26.8.13 12:22, kommentieren