Away-Message VIII

Klinker, Beton und Zigarettenkippen,
Graffitti, Bier und angepisste Jugendliche,
Sprache schleppend, Atem dampft unterm Dach vom Busbahnhof,
Reste von Aufklebern finden Musik gut und Nazis doof,
Brandnarben auf Plexiglas vom Infokasten,
vor dem müde Umsteiger auf Alubänken rasten.
Denk an Absteigen in Mittelgroßstadtästhetik,
Um- und Aussteigen, C mit O und Teer umwehn mich
von Menschen, die dicke Jacken und Löcher in den Hosen tragen,
Kabel in den Ohrn, Gesicht erhellt von weißen Lichtquadraten.
Frag mich, wo die vielen Flecken auf dem Pflaster herkommen,
niedergeschlagene Kaugummis vielleicht in Trauer zerronnen.
Ich wollte Bier, bis ichs an anderen gerochen hab,
und keine Gesellschaft, bis ich sie bekommen hab.
"Ey weissu, ich kanns nichsogut verstehen,
aber die blöde Zeit will nich absolut vergehen."
Weil mein Kalender sagt, dass was 3 Wochen her ist,
aber ich ganz sicher weiß, dass das verkehrt ist,
Verehrtes T! Es sind an die sieben,
relativ. Wo sind die stolzen Zeiger geblieben?
(I wanna see it painted!)
Und wo die Spiegel, in die ich so gern sah,
die immer andre Farben hatten? Sags mir noch einmal.
Sags mir noch zweimal, ich mag vielleicht den Liedtext nicht,
doch um den Kassettenrecorder trauere ich.
War schön. Ich würde sogar sagen, einzigartig.
Wie guter Urlaub warm, kräftigend und sogar spaßig.
- Nein, ich darf nicht. Oder ich sollte nicht.
Mein ich müsste, wenn ich würde, doch wollte nicht.
So trollte sich, die gute Fee, und ließ nur ein gelocktes Haar
zurück, das beim Hinsehen nicht mal real existent war.
Zurück vor Ort manifestieren sich gerade
geschriebene Sätze in Dampf weißer Farbe,
füllen und verhindern die luftige Narbe,
und zum Licht wandert wieder der Barde.

11.12.16 16:53, kommentieren

Ein Schuss im Dunkeln

Dunkel ist’s, der Mond scheint helle,
an einer äußerst provinziellen Stelle.
Dörfer, Wiesen, Wald und Feld
sind eine friedlich schlummernd‘ Welt.
Unter einer funkelnd‘ Sternenpracht
sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht,
und an der Ortsgrenze von Klein-Runkeln
hört man einen Schuss im Dunkeln.

Der brave Bürger aus dem Schlafe schreckt,
im Nu ist das ganze Dorf geweckt.
Am nächsten Morgen in Klein-Runkeln
hört man’s allenthalben munkeln.
Am Stammtisch hört man auf, zu schunkeln,
diskutiert den Schuss im Dunkeln.
Wer schoss? Auf wen? Hat er getroffen?
Oh Gott! Au weh! Alles ist offen!

Es beflügelt Phantasie und Dichtung,
als in der ungefähren Richtung,
aus der besagten Schuss man hörte,
des Bäckermeisters Tochter Dörte
beim Milch holen einen Fleck
von Blut am Weg entdeckt.
Sie hält sich nicht lang bedeckt,
und das Verbrechen scheint perfekt,
als sich im Dorf herume spricht:
"Man findet Opa Köhler nicht!"
Nicht dieser liebenswerte, leicht senile
(mancher würd‘ sagen: grenzdebile),
alt-bekannte Tattergreis,
der ja auch, wie jeder weiß,
viel Geld in der Matratze hortet:
aus Habgier hat man ihn ermordet!
Der geneigte Leser mag sich‘s denken:
Um gerechten Volkeszorn zu lenken,
besorgter Bürger Gesichter sich röten,
ist ein Täter dringend vonnöten.
Wer löste diesen Schuss im Dunkeln?-
Der Piet, mit den hässlichen Furunkeln!
Dieser junge, des Schießens mächt'ge,
unbeliebte, darum höchst verdächt'ge,
zugezog'ne Handwerksg'sell:
Vor Gericht ihn, aber schnell!
An diesem Abend in Klein-Runkeln
der Tratschtanten Augen funkeln:
Der schoss! Auf den! Er hat getroffen!
Oh Gott! Au weh! Man ist betroffen!

Aufs Schafott ihn mit starker Hand;
nein, stellt ihn gleich an die Wand!
…Man braucht nur noch einen Zeugen,
ins Spiel kommt hier der Bauer Eugen,
der in Tatortsnähe wohnt,
weshalb die Befragung lohnt,
was er hörte, was er sah?
War er beim Fall des Schusses nah?
"Jo klar", sagt Eugen, nicht verlegen,
"ich hab‘ den Schuss doch abgegeben.
Auf einen Fuchs, der, wie man sagt,
an meinen Nerven und den Hühnern nagt."
Perplex zieht ab die Bürgerwehr,
da kommt wer auf dem Weg daher:
Opa Köhler! der frisch, fromm, fröhlich, frei
fragt, ob auf dem rechten Weg er sei,
hinunter zu kommen nach Klein-Runkeln,
er fänd' sich so schlecht zurecht im Dunkeln.
Und ihm kam wohl heute beim Lustwandeln
die Orientierung ganz abhanden,
weshalb er sprachlos, ohne Worte,
sich wiederfand im Nachbarorte.

Den Vorfall hält man fortan klein,
die Zeitung stampft Entwürfe ein:
in Klein-Runkeln geht kein Mörder um,
der Pfarrer schreibt die Predigt um.
Nur ein Detail weiß man noch nicht:
Ob der Fuchs noch lebt, der Bösewicht.

Dunkel ist’s, der Mond scheint helle,
an einer äußerst provinziellen Stelle,
will sich auf hochgeklappten Bürgersteigen
auch heut‘ Nacht kein braver Bürger zeigen.
Zum Ausschweifen das Volk stolz zu prüde,
zum Schreien selbst der Kauz zu müde,
fällt an der Ortsgrenze von Klein-Runkeln
vielleicht noch mal ein Schuss im Dunkeln.

6.5.16 14:05, kommentieren

Ich weiß nicht

Ich weiß nicht, wer ich bin.
Ich weiß nicht, wer du bist.
Ich weiß nicht, wer wir sind.
Ich weiß nicht, wo hier ist.

Ich weiß nicht, ob ich bin.
Ich weiß nicht, ob du bist.
Ich weiß nicht, ob wir sind.
Ich weiß nicht, ob hier ist.

Ich weiß nicht, ob irgendetwas von dem, was ich glaube, wahrzunehmen, wirklich existiert, oder ich überhaupt glaube, es wahrzunehmen. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht – das Problem ist, ich weiß nicht, ob es Ihnen geht.

Ich sehe das Blatt Papier an und sehe es als weiß an, aber weiß nicht, ob mein Weiß auch das Weiß irgendeines anderen ist, oder es für ihn nicht Schwarz ist. Ich weiß nicht, ob die Sprache, die ich spreche, sich für irgendeinen anderen Menschen genau so anhört, wie sie sich für mich anhört, oder ob wir den Geschmack von Lebensmitteln tatsächlich als gleich empfinden(zumindest im Falle von Rosenkohl kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass es so sein soll).
Manche halten es für einen Beweis, dass wir gleich wahrnehmen, dass zwei denselben Blauton als beruhigend empfinden, aber es ist kein Beweis, da man nie wirklich die Empfindungen eines anderen kennen kann. Als ob das nicht genug wäre, kann man sich nicht einmal sicher sein, dass der andere wirklich da ist. Ich gebe zu, dass die Welt, die ich erlebe, für eine eingebildete Welt verdammt gut ausgearbeitet, und in sich logisch ist, aber das beweist nichts.
Ist die Welt – inklusive eines eventuellen Schöpfers – schon seit jeher existent, oder ist sie in dem Moment fertig entstanden, als ich sie betreten habe? Hatte Joachim Illies recht, als er sagte: „Schlägt Hirn und Schädel man zu Brei, sind Gott und Welt im Nu vorbei.“?

Ich kann immer nur davon ausgehen, dass alles, was ich glaube wahrzunehmen, tatsächlich ungefähr so existiert, ich kann nur davon ausgehen, dass irgendjemand tatsächlich hört, was ich gerade sage, und sich dazu Gedanken macht; wie ich davon ausgehe, dass wenn ich ausgehe, mein Telefon ausgeht, weil ich es wieder nicht geladen habe; wie ich davon ausgehe, dass wenn ich ausgehe, meine Topfpflanze eingeht, weil ich sie wieder nicht gegossen habe, wie ich davon ausgehe, dass die Lichter ausgehen und die Menschen eingehen, wenn sie nicht endlich aufeinander zugehen, aber wer sagt das schon?

Vielleicht ist alles…anders.

Der Gedanke, dass alles Einbildung ist, ist nicht abzuschütteln, und er treibt mich ab und an in den Wahnsinn wie eine Zwangsjacke, dann werde ich paranoid und wünschte, ich kennte einen Weg, um mich aus unsichtbaren Fesseln zu befreien. Dann wünschte ich, ich könnte mir ein Loch in den Kopf bohren, um die ganze Sache mal unvoreingenommen von außen zu betrachten.

Ich glaube, auf einer Bühne zu stehen und zu rezitieren,
vielleicht bin ich in der Gummizelle am Randalieren,
oder steh im Wald und rede nur zu Tieren,
bin ich gerad am Reden, oder nur Gestikulieren?
Ich halt inne, und frag mich, wann
komm ich je an die Wahrheit ran.
Ist das, was ist, auch das, was kann?
Was ich seh, ich zweifle dran.

Zwei Zweifler waren während des Zwielichts im Zwiespalt zwischen Wahrheit und Wahrnehmung. Der Zwang des Zweckes war zweifellos eine Zwickmühle, die zu wahrhaftigem Wahn führte.

Der Zweifel ist aber nicht nur der Ausgangspunkt, sondern gleichzeitig auch der Rettungsring, an den ich mich klammern kann. Dank Descartes ist eines klar: „Ich denke, also bin ich.“ Ich kann alles anzweifeln. Und ich zweifle alles an. Außer meiner eigenen Existenz, denn ich muss zwangsweise existieren, damit jemand zweifeln kann. Das können Sie auch für sich tun, falls Sie sich Ihrer eigenen Existenz mal nicht ganz sicher sein sollten. Ich kann mir Ihrer Existenz leider nach wie vor nicht sicher sein, aber ich werde in eventueller Interaktion mit Ihnen wohlwollend davon ausgehen.

29.2.16 12:50, kommentieren

für den NABU

Ich kann doch nichts dafür

 
Ich kann doch nichts dafür. Ich kann doch nichts dafür, dass es keine direkte Bahnverbindung gibt. Außerdem hat die Bahn doch sowieso dauernd Verspätung. Und der Strom wird ja auch im Kraftwerk gemacht, und das verbrennt auch Kohle, es kommt also aufs Gleiche raus. Meine Unabhängigkeit lass ich mir nun schon mal gar nicht nehmen, ich bin kein Kind mehr und der Staat nicht meine Eltern. Ich kann doch nichts dafür, dass weniger als ein Liter Hubraum keinen Spaß macht, dafür zahl ich doch auch Steuern, und bestimmt haben Sie auch einen ganz wichtigen Grund, warum sie Ihr Auto brauchen.
Ich kann doch nun wirklich nichts dafür, dass irgendjemand auf der anderen Seite der Welt den Regenwald abholzt. Das sind doch nur so ein paar Eingeborene, die sich Weideland machen wollen. Darum muss sich schon deren Land kümmern. Wieviel ist überhaupt ein Hektar?
Also ich kann nun mal überhaupt nichts dafür, dass meine Wohnung Strom und Öl verbraucht. Soll ich denn im Kalten sitzen? Überhaupt, die USA und China verbrauchen solche Mengen, da macht meine Wohnung auch nichts mehr aus. Natürlich brauche ich eine Geschirrspülmaschine, einen Trockner. Soll ich das alles selber machen? Natürlich brauche ich eine Klimaanlage, es wird ja immer heißer. Und bestimmt haben Sie auch einen ganz wichtigen Grund für Ihre Elektrogeräte. Ich habe es mir ja nun mal wirklich nicht ausgedacht, dass wir Menschen Allesfresser sind. Fleisch hat unser Gehirn wachsen lassen, ohne wären wir nicht, wo wir heute sind. Ich kann nicht alles vom Bauernhof kaufen, es wird sowieso alles immer teurer. Ist das meine Schuld? Ich muss doch leben, auch wenn diese Fabriken vielleicht nicht so schön sind. Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, was ich zu essen habe. Ich bin kein Kind mehr, und die Grünen nicht meine Eltern.
Ich bin doch nicht schuld daran, dass diese Dinge alle aus Plastik sind. Woraus soll man sie denn sonst herstellen? Aus Holz, dann müsste man dazu Bäume fällen, und das würde Ihnen auch wieder nicht passen. Wir brauchen nun mal Plastik, und bestimmt haben Sie auch einen ganz wichtigen Grund.
Wollen Sie mir die Schuld dafür geben, dass es hier fließendes Wasser gibt, und in der Dritten Welt nicht? Die sollen halt mal einen anständigen Brunnen graben, anstatt immer nur Bürgerkrieg zu führen. Die sollen mal lernen, friedlich zusammen zu leben, wie wir Europäer. Und ich habe auch kein Öl dort auslaufen lassen. Ja, die sind doch jetzt unabhängig, dann sollen sie sich auch selbst um ihre Probleme kümmern, und nicht einfach zu uns kommen.
Nein, ich weiß nicht, wie das hergestellt wurde. Ich weiß auch nicht, was das mit der Bleiche jetzt soll. Ich kann doch nichts dafür, wenn die Fabriken da in Asien andere Standards haben. Das ist doch eine andere Kultur, das kann man überhaupt nicht vergleichen. Fänden sie es denn besser, die hätten alle gar keine Arbeit anstatt zu nähen? Und bestimmt haben Sie auch einen ganz wichtigen Grund.
Ich verstehe diese ganzen Vorwürfe nicht. Ich trenne meinen Müll, tanke Sprit mit 10% Ethanol-Anteil, bringe das Pfand zurück, und neulich bei der Gala im ZDF hab ich auch zehn Euro für ein Kinderhilfswerk gespendet. Was wollen Sie denn noch von mir? Die anderen machen doch auch nichts. Die machen alle mehr Dreck als wir und missachten die Menschenrechte, jetzt sind die erst mal dran. Ich lasse mich nicht weiter von irgendwelchen Gutmenschen drangsalieren und mir ein schlechtes Gewissen machen. Ich kann nichts dafür, dass mein Leben leider geil ist, und das von denen halt nicht.

Ich kann doch nichts dafür, dass man im Stau länger steht, als die Bahn fährt, das ist meine Freiheit. Ich kann nichts dafür, dass der Strom aus der Steckdose kommt, und nicht aus der Windmühle, was umweltfreundlicher wäre, und schon gar nicht kann ich was dafür, dass Bäume aus Holz sind und nicht aus Plastik. Es ist nicht meine Schuld, dass man ein Haus wärmedämmen kann, dass es aus irgendeinem Grund Millionen gesunder vegetarisch lebender Menschen gibt, und schon gar nichts dafür, dass Wäsche auch an der Luft trocknet, oder ich nicht weiß, wie man Gemüse länger aufheben kann. Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, was ich zu wissen habe. Ich bin kein Kind mehr und Leute, die mehr Ahnung haben als ich, nicht meine Eltern.
Es ist doch nicht meine Schuld, dass ich nicht wirklich weiß, wie ein
Allesfressergebiss aussieht, aber mein Kollege sagt das auch. Ich kann doch nichts dafür, dass ich einfach nachplappere, was ein anderer sagt, oder auf Facebook teilt, so lange es in meine Weltsicht passt und mein Gewissen beruhigt. Und bestimmt haben Sie auch einen ganz wichtigen Grund.

Soll ich denn im Kalten sitzen? Ich kann doch nichts dafür, dass weniger als ein Hektar Hubraum keinen Spaß macht, das kann man doch überhaupt nicht vergleichen. Überhaupt, die USA und China verbrauchen viel mehr Menschenrechte, und meine Geschirrspülmaschine hat sowieso dauernd Verspätung. Das sind so ein paar Eingeborene, die ganz andere Standards haben. Mein Pfand lass ich mir nun schon mal gar nicht nehmen, ich bin kein Kind mehr, und die Bäume nicht meine Eltern. Ich lasse mir doch nicht vorschreiben, wie ich meine Dritte Welt zu trennen habe. Um die Klimaanlage muss sich schon Europa kümmern, dafür zahl ich doch auch Steuern, und die Dampflokomotive verbrennt auch Kohle, es kommt also aufs Gleiche raus. Das kann man doch überhaupt nicht vergleichen. Jetzt sind erstmal die anderen dran. Die chlorfrei geblichenen Gutmenschen sagen im ZDF, es wird immer heißer, aber wir brauchen das doch, aber wir können doch nicht ohne, wir haben keine Zeit, wir können dafür auch gar nichts, es wird alles immer teurer, die anderen machen doch auch nichts, die machen viel mehr Dreck als wir, und immer nur Bürgerkrieg, und deswegen verstehen wir diese ganzen Vorwürfe nicht, wir trennen unsere Flüchtlinge, und saufen Sprit mit 10% Ethanol-Anteil, und bringen dann das Pfand zurück, und deswegen verstehen wir diese Vorwürfe nicht, und deswegen tun wir uns doch was Gutes und deswegen ist unser Gehirn gewachsen!!!

Ich kann doch nichts dafür, dass es trotzdem so viel einfacher ist, es nicht zu benutzen, nicht nachzudenken, und nichts zu ändern.

14.9.15 17:43, kommentieren

Selbstgespräch des Dichters

Immer wenn ich ein neues Gedicht schreibe, streite ich erneut mit mir selbst: Moderne Sprache oder klassische? Transkribiert könnte das so aussehen:

 

 
Eins zwo, eins zwo, Mikrophon Check
hier kommt Speedy um das Eck,
die weiße Weste sieht aus wie geleckt,
denn die Leichen im Keller sind gut versteckt.
Ganz ohne Talentscout hab ich mich selbst entdeckt,
in der Wetterauer Provinz die Lage gecheckt.
Bin bei meinem ersten Auftritt nur leicht angeeckt,
ich hatte mich nur mit meinem Notizblock bedeckt.
 
Werter Herr, die Sprache, derer Ihr Euch befleißigt,
Haltet Ihr für modern, doch wird sie zeitlich
Nicht von Bestand sein. In hundert Jahren
Lesen Eure Nachfahren verwirrt Eure Memoiren.
 
Ich bekomm nicht mit, wer mich in hundert Jahren noch liest,
mir ist wichtiger, dass es jetzt gerade jemand genießt.
Die Leute fürchten meinen Namen,
wie Betriebsstörung beim Bahn fahren,
ich bin Luca Del Nero, das ß steht für „Gefahr“.
Ich komme aus Bäääd Nauheim, a.k.a. Hessens Westberlin,
deshalb war ich mein Leben lang schon clean,
ich bin so unglaublich maskulin
wie du nicht mal auf Somatropin.
Also runter von der Bühne, Loser,
dich will nicht mal das letzte Luder,
doch für mich machen täglich so viel Fraun die Beine breit
wie sonst nur für Klaus Wowerweit!
 
Du drischst derlei abgeschmackte Phrasen,
Doch gingen wir alle mal durch solche Phasen.
Nun solltest Du irgendwann die Reife erlangen,
Mit dem Verfassen wahrer Poesie anzufangen.
Exaltiert und von den Musen geführt,
Welche zu allen Zeiten die Menschen berührt.
Und nicht verzweifelt buhlend um Aufmerksamkeit
Der lebenden Genossen der eigenen Zeit.
Im Gedächtnis, was kein guter Dichter jemals vergaß:
Zu echter Lyrik gehört auch allzeit ein Versmaß.
 
Ich schreib wie ich sprech, und man identifiziert sich damit,
heute wollen die Leute halt mit auf ein wilden Ritt!
.Selbstironie, Wortspiele, darin bin ich ein Tier,
ich bin Dichter – als du, wenn ich nach dem ersten Colabier kollabier;
aber überzieh dich lyrisch mit Krieg trotz Mahnungen
der UNO, und forder noch Rap-arationszahlungen.
Mezzo tedesco e mezzo italiano,
und all meine Mafiosi bouncen als wär ich Al Bano!
Mehrsprachig wie Haftbefehl – kann ich auch,
und Mehrfachreime hab ich schon lang in Gebrauch: Ich bin nicht nur Dichter und Denker, sondern auch ein schlichter, gelenker Richter und Henker erpichter Verrenker, und wenn ich reimen will, dann tu‘ ich das, wie’s mir passt...Spast.
 
Ich verbitt‘ es mir, jetzt so anzufangen,
An dir ist wohl ein „Rebell“ verlorengegangen.
Ein Tag ohne guten Reim ist ein verlor’ner Tag,
Und weil ich einen solchen Tag grundsätzlich nicht mag,
Und mich lyrisch glücklicherweise nicht plag‘,
Antworte ich eloquent und adäquat, und sag‘:
Dichterisch' Werk zu verrichten und mit Mitmenschen Geschichten mittels lichten Gedichten und mitnichten mit schlichten Berichten zu sichten – gerne ohne Pflichten sitzend unter dichten Fichten – kann Frust vernichten, Freud' verdichten, und des Tages Dickicht lichten!
Nähmest Du Dir doch zum Schreiben nur die nötige Zeit
sprächst Du von deinen Themen in schönster Sprache der Menschheit.
 
Wie man so sagt, Zeit ist Geld, und Geld hab ich keins,
du gehörst nicht in die erste Liga, wie die NullFünfer aus Mainz,
wenn du meinst, dass Schönheit in einem Wettbewerb
noch mehr als Witz und Unterhaltung zählt.
Will ich dann noch ein ernstes Thema machen
konkurriern mir jetzt schon diese Vier Sachen.
 
Daraus kann etwas werden, wir sind nun dabei,
Die Wege zu erkunden, es sind derer Drei
Wir führen abwechselnd diesen Aspekts unseres Seins,
Denn am Ende sind wir Zwei doch nur Eins.

6.5.15 23:55, kommentieren

Away Message Nr. 7

Ich will keine schmalzige Lyrik schreiben,
Ich lass nur mal die Gedanken treiben.
Darf nicht reden, darum schreibe ich,
darf nicht schweben, darum bleibe ich
auf dem Boden, soweit das ein Künstler behaupten kann,
der Alte ist steif in den Knochen aber drauf und dran
sich zu verbiegen, erleg ihm mal einer Pausenzwang!
Nur manche Dinge nagen eben wie ein Mausezahn,
zähl ich die Vorzüge, komm ich an die Tausend ran,
komm nur nie zum Zug, als wäre es die Taunusbahn.
wenn auch die Vernunft streikt – ziehe besser weiter,
nimm noch einen Zug vom Leben und erweiter‘
den Horizont mal wieder. Weise wissen:
Blicke beflissen hinter die Kulissen;
schau‘, da durch: ich hab sie zerrissen,
und, nein, dafür kein schlechtes Gewissen.
Gestern Unbekanntes will man heute nicht mehr missen
und ein schöner Traum ist noch kein gutes Ruhekissen.
Ein Bissen selbstgemachte Weisheit, schmeckt noch trocken;
verdammt, heute war in der Schachtel Frühstücksflocken
wieder nicht die Röntgenbrille für den Durchblick
durch die Blätter des Dschungels und der Ausblick
reicht nur bis zu Blättern aus Pixeln und Papier,
mal wieder sitze ich nachts schreibend hier,
und versuche, Worten Leben einzuhauchen
und in parallele Welten einzutauchen.
Deine? Meine? Eure? Deren? Ihre? Seine?
Nur die Minderheit erahnt, was ich damit meine.
Darf nicht reden, darum schreibe ich,
darf nicht schweben, darum bleibe ich
in Gedanken, soweit das ein Täter behaupten kann,
still haltend, auf einer andren Ebene drauf und dran,
eine andere Welt umschaltend, immer aus und an.
Der Junge wird schon noch vernünftig, glaube dran!
Alles wird gut, so lang man noch nach Hause kann,
's Fach zieht sich, hoffentlich fängt bald die Pause an…

8.11.14 01:58, kommentieren

Gangstarap zum Mitdenken

 

Eins zwo, eins zwo, Mikrophon Check
hier kommt Speedy um das Eck,
die weiße Weste sieht aus wie geleckt,
denn die Leichen im Keller sind gut versteckt.
Ganz ohne Talentscout hab ich mich selbst entdeckt,
in der Wetterauer Provinz die Lage gecheckt.
Bin bei meinem ersten Auftritt nur leicht angeeckt,
ich hatte mich nur mit meinem Notizblock bedeckt.

Die Leute fürchten meinen Namen,
wie Betriebsstörung beim Bahn fahren,
ich bin Luca Del Nero, das ß steht für „Gefahr“.
Ich komme aus Bäääd Nauheim, a.k.a. Hessens Westberlin,
deshalb war ich mein Leben lang schon clean,
ich bin so unglaublich maskulin
wie du nicht mal auf Somatropin.
Also runter von der Bühne, Loser,
dich will nicht mal das letzte Luder,
aber für machen täglich soviel Frauen die Beine breit
wie sonst nur für Klaus Wowereit.
Ich versenk‘ dein Schiff als wär ich Käpt’n Iglo,
und deine Karre? Dito!
Treffer, versenkt! Bingo!
Und ich fahr hupend weg in meinem Twingo.
Mit 80 Sachen über die Überholspur fegen,
ja, willkommen in meinem Leben!
Keiner kann mir Contra geben.
Wie viele schon danach streben,
so wie ich zu sein, das ist geheim,
keiner schreibt in die studiVZ-Umfrage rein…

Ich bin so eloquent,
falls ihr nicht wisst, was das heißt, das heißt, äh, Moment…
…ja, wenn man gut in Deutsch ist halt!
Ich bin zu echt, man kann mich nicht anfassen,
Ich bin zu cool, ich kann mich nicht anpassen:
Ich bin ein Überflieger wie Ikarus,
und weil ich das zeigen muss,
hab ich die Cap von Fubu falsch rum auf,
und einen Propeller oben drauf,
Luftkissen in den Sneakers, so sneaky,
sneak ich auf die Bühne und schrei: „Fuck the Industry!“
in das goldne Mikrophon von Bohse.
deine Reime kommen aus der Dose,
meine sind frisch und flowen wie Soße…äh, Wasser!
(Puh, gerade nochmal die Kurve gekriegt.) Es kommt noch krasser!
Bin auch ein reicher Geldverprasser,
ich kann arrogant sein, meinen Status zeigen,
und minderjährigen Fangirls auf den Bürsten unterschreiben –
ich kann es mir leisten!
Du willst dich erdreisten,
dich mit mir zu vergleichen?
Du kannst mich nicht erreichen.
Keine Chance, ich werd dich gleich überrunden,
denn ich lauf hundert Fuß in unter zehn Sekunden.
Ich führe Krieg wie Gandhi, knall dich ab wie Mandela,
bleib dabei cool wie Bush und ehrlich wie Angela!
In jedem meiner Videos ist ein sexy, lecker Ding,
ich tanz in Unterwäsche neben der Background-Sängerin.
Und versprüh dabei eine Million
Tropfen an feinstem Testosteron.
Der Hell’s Angel, der Bandido,
hier bin ich Michael Jackson, und du Tito.
Das kommt auch ins Video,
ich bin gefährlich wie Alu im Deo.
Ich überzieh dich mit Krieg trotz Mahnungen
der UNO und forder Rap-arationszahlungen.
Mezzo tedesco e mezzo italiano,
all meine Itaker bouncen wie zu Al Bano.
Ich bin ein Todsünder, du ein Lammfrommer,
ich leg‘ dich auf den Tisch und schneid‘ dich auf wie Dr. Sommer…

14.10.14 16:24, kommentieren